Aber so ist es doch. Ihr wahrer Gegner ist derselbe, den auch Kühnert in seiner Philippika ausmachte: Ohne Unterstützung des Großkapitals hätte Hitler nicht den Hauch einer Chance gehabt, seinen Wahnsinn zu realisieren. Juso-Chef Kevin Kühnert gibt sein Amt auf und will für den Bundestag kandidieren. Kevin Kühnert wird beschimpft. Doch sie haben sich den falschen Feind ausgesucht. Das Recht auf Eigentum und dessen Unantastbarkeit (von extremen Ausnahmen abgesehen) hält eine bürgerliche Gesellschaft zusammen, und schon Karl Marx wusste, dass er mit der Vergesellschaftung von Eigentum dieser ihm verhassten bürgerlichen Gesellschaft den Boden unter den Füßen wegzog. Doch warum drehen sie alle durch? Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert hat nur die Wahrheit ausgesprochen. Nie war es so wichtig, sich über Eigentum und Solidarität Gedanken zu machen. Kevin Kühnert ist derzeit der stärkste Mann der SPD, stellt WELT-Chefredakteur Ulf Poschardt fest .
Es ist anders.Die Altnazis sind tot. Von Maximilian Riegel Dafür gibt es neue. Bankencrashs, Atomausstieg, Automobilkrise und Nullzinsen sind Beispiele dafür.
Die WELT als ePaper: Die vollständige Ausgabe steht Ihnen bereits am Vorabend zur Verfügung – so sind Sie immer hochaktuell informiert. Kevin Kühnert, Deutsche Wohnen enteignen: Wie lange nicht mehr, wurde in diesem Jahr eine Debatte um das Eigentum geführt. Der globale Riese droht in sich zusammenzufallen wie die Türme des World Trade Centers, nur ohne äußere Einwirkung.Seit das Wachstum nicht mehr wachsen kann, torpediert der Kapitalismus sich selbst und erzielte bereits beachtliche Wirkungstreffer. Damals mit Giftgas, Panzerfäusten und Stukas, heute mit Wohnungsnot, Billiglohn und Glyphosat, um jeweils nur einige zu nennen.Aber es ist anders als früher. Kevin Kühnerts Sehnsucht nach dem Sozialismus hat Empörung ausgelöst - und die Debatte über Ungleichheit wiederbelebt. Denn was hat er denn da gesagt, der Dass Eigentum und Gewinne immer ungerechter verteilt werden und dadurch wenige auf Kosten vieler immer vermögender werden.
Denn sie wird geführt in einer Rechten-Zeit. Kevin Kühnert möchte mal eben das System überwinden. Aber so ist es doch.
Kevin Kühnert will über den Bestand von Unternehmen „politisch entscheiden“. Eigentum bleibt der Willkür entzogen. Wir haben prominente Unternehmer gefragt, was sie darüber denken. Der 29-Jährige macht sich für den demokratischen Sozialismus stark. Man kann darüber streiten, ob Kühnerts Einwurf taktisch klug war, man kann auch darüber streiten, ob er sachlich klug ist und welche… Franz Josef Strauß wusste seinerzeit, was er tat, als er einen Milliardenkredit einfädelte.Und Kühnerts Überlegungen sind keine Spinnerei eines bekifften Träumers, sondern entspringen der Pflicht eines Sozialdemokraten, der seine Identität wieder ernst nimmt, und der sowas von vorwärts (und nicht vergessend) gewandt denkt, wie man es der gesamten Partei nur wünschen würde.Kevin Kühnert macht sich mit seinem Vorstoß nicht nur Freunde in der SPD.Kevin Kühnert: Juso-Chef sagt die Wahrheit - und alle drehen durchKevin Kühnerts Ideen in die Nähe der DDR zu rücken, ist dumm
Oder zumindest Unzufriedene, die sich aus Frust der angeblichen Alternative für Deutschland zuwenden. Mit dem Elend anderer war schon immer gutes Geld zu verdienen.
Weil sie spüren, dass er recht hat? Wie verwöhnte Wohlstandsbuben, denen ein räudiger Nachbarslauser die Manufactum-Förmchen aus dem Sandkasten gemopst hat.Ein einfacher Vergleich, doch in der Realität ist alles noch simpler. Die Weltordnung ist aus den Fugen geraten und damit – weit fundamentaler als vor dem Zweiten Weltkrieg – auch der Kapitalismus. Für den Juso-Chef steht fest: Ohne Kollektivierung ist „eine Überwindung des Kapitalismus nicht denkbar". Eigentlich ist das ja drollig, wie sie da müpfen, mosern und maulen.
Sogar seinen Parteiausschluss fordern manche tapfere Sozialdemokraten. Nein. Kein Witz.In einer luxuriösen Geschichtsvergessenheit hat sich ausgerechnet die wohlstandsgemästete Jugend des Landes, unterstützt von den Ewiggestrigen (links), entschieden, die bürgerliche Verfasstheit des Landes grundsätzlich infrage zu stellen. Quelle: REUTERS/Claudius Pflug. Es ist eine Debatte zur rechten Zeit. Kühnert will in Tempelhof antreten und damit ausgerechnet im Heimatbezirk des Regierenden Bürgermeisters Müller. Dennoch – oder deswegen – schlug so ein kleines Interview in so kurzer Zeit so hohe Wellen. Dass Eigentum und Gewinne immer ungerechter verteilt werden und dadurch wenige auf Kosten vieler immer vermögender werden.